Washingtons doppelter Druck auf die europäische Verteidigung
Sie schreien schon seit Jahren danach. Lassen Sie Europa mehr für seinen Schutzschirm ausgeben und Verantwortung übernehmen. Aber jetzt, da Brüssel die Idee ernst nimmt und eine Regelung ausarbeitet, die dem Kauf von Waffen made in Europe Vorrang einräumt, schreit Washington laut auf.
Die neue Richtlinie, die 2026 in Kraft treten soll, ist eine klare Antwort auf die Unsicherheit. Werden die USA weiterhin ein verlässlicher Garant für Sicherheit sein? Europäische Beamte bestehen darauf, dass es nicht darum geht, Türen zu schließen, sondern darum, unsere eigene Stärke aufzubauen.
„Ziel ist es nicht, den Markt für externe Anbieter abzuschotten, sondern die eigenen Fähigkeiten zu fördern, um strategische Abhängigkeiten zu reduzieren“, argumentieren sie aus Brüssel.
Doch auf der anderen Seite des Atlantiks sieht das US-Verteidigungsministerium etwas anderes: getarnten Protektionismus. Sie warnen davor, dass dies die Flexibilität der europäischen Länder einschränken werde und alten Kooperationsabkommen widerspreche.
Und hier kommt das Knackige: Washington macht vor Beschwerden nicht halt. Er verzichtet auf die Möglichkeit von Gegenmaßnahmen, falls amerikanische Unternehmen ihren Zugang zum lukrativen europäischen Markt eingeschränkt sehen.
Die Ironie ist spürbar. Auch europäische Firmen verkaufen Waffen in den USA, spielen dort aber mit sehr strengen Regeln, die die nationale Produktion eindeutig privilegieren. Eine Doppelmoral, die in den europäischen Hauptstädten nicht unbemerkt bleibt.
Am Ende scheint die Botschaft zu lauten: „Wir wollen, dass Sie sich verteidigen, aber mit unserem Team.“ Eine nahezu unmögliche Balance zwischen strategischer Autonomie und einem transatlantischen Bündnis, das längst nicht mehr für alle angenehm ist.




