Internationale Experten legen schwere Vorwürfe vor der IACHR vor
Eine Gruppe internationaler Juristen hat gerade eine Bombe auf den Tisch der Interamerikanischen Menschenrechtskommission geworfen. In ihrem Bericht heißt es, es gebe „vernünftige Gründe“ zu der Annahme, dass unter dem Notstandsregime von Nayib Bukele Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen würden.
Die Zahlen sind brutal: Bis Februar 2025 wurden 540 Fälle von gewaltsamem Verschwindenlassen gemeldet. Bis August desselben Jahres gab es 403 Todesfälle in Gefängnissen, darunter vier Minderjährige. Das Dokument spricht deutlich: willkürliche Inhaftierung, Folter, Morde, gewaltsames Verschwindenlassen, sexuelle Vergewaltigung und Verfolgung.
„Folter und grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung wurden dokumentiert: Schläge, Elektroschocks, sexuelle Gewalt, erzwungene Nacktheit“
Das Schlimmste: GIPES-Experten versichern, dass diese Taten „verallgemeinert“ und „systematisch“ gewesen seien. Und sie verweisen auf die Verantwortung nicht nur des salvadorianischen Staates, sondern „einzelner natürlicher Personen“.
Die offizielle Antwort: Leugnung und Gegenoffensive
Das Pressebüro des Präsidentenhauses erklärte auf Anfrage der Associated Press lediglich, es habe keinen Kommentar abgegeben. Aber die Regierung hat ihr Narrativ bereits etabliert.
Vizepräsident Félix Ulloa nannte es direkt „eine Legende“, dass Todesfälle in Gefängnissen auf das Regime zurückzuführen seien. Stattdessen heben sie hervor, was ihrer Meinung nach eine historische Errungenschaft ist: die drastische Reduzierung der Morde in einem Land, das einst zu den gewalttätigsten der Welt zählte.
Doch der Bericht geht noch weiter. Er wirft der Regierung vor, Journalisten und Menschenrechtsorganisationen systematisch zu neutralisieren und sie als „Feinde des Fortschritts“ oder „Verräter“ zu bezeichnen.
„Physische und digitale Überwachungsinstrumente wurden eingesetzt und die Kontrolle der Bürger wurde kriminalisiert“
Was verlangen die Experten?
Die Gruppe fordert den UN-Menschenrechtsrat auf, eine internationale Untersuchungsmission einzurichten. Sie empfehlen außerdem die Einrichtung einer unabhängigen Kommission zur Überprüfung inhaftierter Fälle und zur Rücknahme strafrechtlicher Reformen, die gegen das Völkerrecht verstoßen würden.
Der Kontext ist entscheidend: Nach einem blutigen Tag im Jahr 2022, an dem Banden 62 Menschen töteten, forderte Bukele den Ausnahmezustand. Grundrechte wurden außer Kraft gesetzt – ohne Anwalt, ohne zu wissen, warum man inhaftiert wird – und die Haftdauer stieg von 72 Stunden auf 15 Tage.
Nach Angaben der Behörden haben sie seitdem mehr als 91.000 mutmaßliche Bandenmitglieder festgenommen. Bukele selbst gibt zu, dass rund 8.000 unschuldige Menschen freigelassen wurden. Laut diesem internationalen Bericht sind die menschlichen Verluste jedoch katastrophal.
Hier gibt es keine Grautöne: Entweder Sie glauben an die offiziellen Zahlen der salvadorianischen Regierung zur wiederhergestellten Sicherheit, oder Sie glauben an diesen von internationalen Experten dokumentierten Bericht über systematische Verbrechen. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen – aber dieser Punkt scheint immer schwieriger zu finden zu sein.




