Eine Geste, die mehr wiegt als tausend Reden
Am Montag erlebte der Vatikan etwas, was viele für unmöglich hielten. Papst Leo XIV. empfing Sarah Mullally, die erste Frau an der Spitze der Kirche von England. Es war keine protokollarische Begrüßung. Sie beteten gemeinsam in der Kapelle von Urban VIII. Und sie haben klar gesagt: Unterschiede müssen uns nicht trennen.
„Selbst scheinbar hartnäckige Meinungsverschiedenheiten sollten die Bemühungen um Einheit nicht bremsen“, sagte Leo XIV.
Es hört sich gut an, ich weiß. Aber diesen Riss haben wir schon seit 1534. Lässt er sich wirklich schließen? Beide wissen, dass es nicht einfach sein wird, insbesondere wegen Themen wie der Frauenordination – etwas, das der Anglikanismus akzeptiert, Rom jedoch noch nicht.
Jenseits des Rituals
Mullally bedankte sich für die Gastfreundschaft und sandte eine direkte Botschaft: Wir müssen Brücken bauen, keine Mauern. In einer von Konflikten und Ungleichheit zerrissenen Welt möchte dieses Treffen Hoffnung geben. Aber Vorsicht: Es ist keine Zauberei. Es ist ein weiterer Schritt auf einem ökumenischen Weg, der in den 60er Jahren begann.
Dabei kommt es nicht darauf an, ob es morgen nur noch eine Kirche geben wird – das klingt utopisch. Wichtig ist, dass sich zwei religiöse Führer zu einem Gespräch zusammensetzten, gemeinsam beteten und erkannten, dass das Gemeinwohl über alten Groll steht.
Als geschiedene Mutter weiß ich, dass es Zeit braucht, wieder Vertrauen aufzubauen. Aber jede Geste zählt.




