Ein Ziel mitten im Ozean
Die iranischen Raketen verfehlten ihr Ziel, aber die Botschaft kam klar und deutlich durch. Die britische Regierung hat bereits sogenannte „rücksichtslose Angriffe“ gegen Diego García verurteilt, eine verlorene Insel im Indischen Ozean, die viel mehr ist, als es scheint.
„Obwohl die Projektile ihr Ziel verfehlten, verurteilte die britische Regierung die ‚rücksichtslosen Angriffe‘ des Iran.“
Dieser Stützpunkt ist das Juwel der westlichen Militärkrone in der Region. Mit rund 2.500 Soldaten – die meisten davon Amerikaner – war es eine Plattform für alles: von Vietnam bis zum Irak, einschließlich Afghanistan.
Letztes Jahr waren dort während des Feldzugs gegen die Houthis im Jemen sogar atomwaffenfähige B-2 Spirit-Bomber stationiert.
Das gebrochene Versprechen und die umstrittene Vereinbarung
Hier kommt das Interessante. Großbritannien bestritt zunächst, dass der Stützpunkt für Angriffe gegen den Iran genutzt werden könnte. Dann, als die Spannungen zunahmen, gab er grünes Licht … allerdings nur für „spezifische und begrenzte Verteidigungsoperationen“.
Der Iran beschuldigte Premierminister Keir Starmer direkt, das Leben britischer Menschen aufs Spiel gesetzt zu haben.
Und während die Raketen fliegen, wird in London über die Zukunft der Insel debattiert. Denn Diego García hat eine dunkle Geschichte: Seine Bewohner wurden in den 60er und 70er Jahren vertrieben, um den Stützpunkt aufzubauen.
Die internationale Gemeinschaft fordert seit Jahren, dass das Vereinigte Königreich die Souveränität an Mauritius zurückgibt. Im Jahr 2025 schien eine Einigung erzielt worden zu sein: London würde die formelle Kontrolle abgeben, die Basis jedoch für weitere 99 Jahre pachten.
„Der frühere Präsident Donald Trump nannte die Maßnahme ‚einen Akt großer Dummheit‘“
Aber dieser Pakt ist eingefroren. Britische Oppositionspolitiker, Nachkommen der Vertriebenen und sogar Donald Trump kritisieren ihn heftig. In Washington geben sie ihre endgültige Zustimmung nicht.
Wir haben also iranische Raketen, die auf einen Stützpunkt zufliegen, dessen bloße Existenz einen ungelösten diplomatischen Konflikt darstellt. Die Geopolitik gibt keine Ruhe, nicht einmal auf einer abgelegenen Insel.




