Die neue Führung der Hamas
Die palästinensische Organisation Hamas gab die Wahl von Khalil al-Hayya zum Leiter ihres politischen Amtes bekannt. Die Stelle war seit Oktober 2024 vakant, als Yahya Sinwar bei einem israelischen Einsatz in Rafah getötet wurde.
Al-Hayya setzte sich in einer internen Abstimmung gegen Khaled Mashal durch, die die Organisation als „aus Sicherheitsgründen äußerst komplex und geheim“ bezeichnete. Auch Vertreter von in israelischen Gefängnissen inhaftierten Palästinensern nahmen teil.
Laut internen Quellen, die von Behörden zitiert wurden, gewann Al-Hayya „mit überwältigender Mehrheit“. Die katarische Zeitung Al-Araby berichtete jedoch unter Berufung auf eine andere Quelle der Bewegung, dass der Unterschied „kaum eine Stimme“ betrug.
Kontinuität in der politischen Linie
Die Ernennung von Al-Hayya impliziert eine Kontinuität der Strategie von Sinwar und dem früheren Führer Ismail Haniyeh, der im Juli 2024 ebenfalls bei einer israelischen Operation in Teheran ums Leben kam. Beide hielten an der Linie mit der vom Iran angeführten sogenannten „Achse des Widerstands“ fest, obwohl die Hamas über eine sunnitische Mehrheit verfügt.
Seine Ankunft stärkt Gaza als zentrale Achse der palästinensischen Sache, im Gegensatz zur Strömung von Mashal, der im Westjordanland geboren wurde und als näher an Katar und der Türkei angesehen wird. Während seiner Amtszeit bis 2017 brach Mashal mit dem syrischen Präsidenten Bashar al Assad und distanzierte die Bewegung von der iranischen Achse.
Gleichzeitig hat die Hamas ihre Präsenz in ihrem Hauptquartier in Istanbul verstärkt, zum Nachteil ihres Zentrums in Doha.
Auswirkungen auf die Verhandlungen mit Israel
Al-Hayya, 64, ist Gründer der Hamas und war Sinwars oberster Stellvertreter in Gaza. Vor dem 7. Oktober verließ er auf Anweisung von Sinwar den Gazastreifen, um die Geschäfte vom Ausland aus zu regeln. Nach Angaben der New York Times besprach er im Juli 2023 Angriffspläne mit einem General der iranischen Revolutionsgarde.
Er hat mehrere Angriffe überlebt, die Israel zugeschrieben werden, darunter einen in Doha im September 2025, bei dem sein Sohn Hamman starb. Drei weitere Kinder starben ebenfalls bei israelischen Angriffen.
Derzeit ist Al-Hayya der Hauptverhandlungspartner der Hamas bei indirekten Kontakten mit Israel, die im vergangenen Oktober zu einem Waffenstillstandsabkommen und der Freilassung von Geiseln führten. Er hat sich persönlich mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner getroffen.
In den laufenden Gesprächen in Kairo vertritt Al-Hayya eine unflexible Position und lehnt die Entwaffnung der Hamas ab. Nach verschiedenen Einschätzungen könnte die Pattsituation zu einer neuen israelischen Offensive auf dem Gazastreifen führen.




