Die Spannung im paralympischen Dorf steigt
Die Stimmung in Mailand-Cortina heizt sich auf. Das Ukrainische Paralympische Komitee erhob einen schweren Vorwurf: Seine Athleten und Trainer stünden unter „systematischem Druck“ seitens lokaler Organisatoren und des Internationalen Paralympischen Komitees (ICC).
Die Organisatoren reagierten schnell. Sie hätten die Fälle geprüft und entsprechend den Vorschriften gehandelt. Doch Kiews Beschwerden sind konkret und verletzend.
Markierende Vorfälle
Sie sprechen davon, dass eine ukrainische Flagge „angeblich gewaltsam“ aus einem Gemeinschaftsraum entfernt werden müsse. Von Unterbrechungen bei Planungsbesprechungen. Und der Fall, der am meisten schmerzt: Einem seiner Athleten wurde verboten, bei einer Siegerehrung einen Ohrring mit der Aufschrift „Stop War“ zu tragen.
ICC-Direktor Craig Spence nannte am Mittwoch die Spielbestimmungen als Grund dafür, dass der ukrainische Athlet den Ohrring nicht tragen darf.
Die offizielle Erklärung ist technischer Natur. Nationalflaggen nur in Wohngebieten. Besprechungsräume müssen reserviert werden. Und jede politische Botschaft raus.
Auch mit den Fans gab es Probleme. Fünf versuchten, das Skistadion zu betreten, indem sie Schals mit ukrainischen Farben und Aufschriften trugen.
„Da die Sicherheitskräfte die Bedeutung des Textes nicht überprüfen konnten und er politische Botschaften enthalten haben könnte, wurden die Zuschauer gebeten, ohne Schals einzutreten“, sagte das Organisationskomitee.
In der Abschlusserklärung heißt es: „(Die Organisatoren und das CPI) sind weiterhin bestrebt, ein respektvolles und einladendes Umfeld zu schaffen.“ Die Regeln, so heißt es, gelten für alle gleichermaßen.
Aber hier ist der Hintergrund, der alles erklärt: Die Ukraine war eines von mehreren Ländern, die die Eröffnungszeremonie boykottierten. Der Grund: Der ICC erlaubte erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt russischen Athleten, unter seiner eigenen Flagge anzutreten.
Sport und Politik prallen erneut aufeinander. Und mittendrin stehen wie immer die Sportler.




