Die durch zwei aufeinanderfolgende Erdbeben der Stärke 7,2 und 7,5 verursachte Verwüstung forderte offiziellen Berichten vom Freitag zufolge in Venezuela mindestens 920 Todesopfer und mehr als 51.000 Vermisste. Die Zahl der Verletzten liegt bei über 3.300, 243 Menschen wurden lebend gerettet.
Die Bürger nehmen die Suche selbst in die Hand
Bewohner von Gebieten wie La Guaira und Catia La Mar beklagen die geringe Präsenz staatlicher Rettungsteams. Mit Hämmern und Elektrowerkzeugen versuchen Nachbarn, Betonplatten von eingestürzten Gebäuden zu entfernen.
„Mein Gott, wie kriegen wir alle Leute da raus?“ murmelte Nazareth Jiménez, die auf Neuigkeiten von ihren Brüdern und Neffen wartet.
Omar Reyes ging zwischen den Trümmern umher, wo zwei seiner Kinder begraben liegen: „Ich war in diesem Leben praktisch allein.“ Er gab an, dass etwa 20 Angehörige gestorben seien.
Offizielle Reaktion und internationale Hilfe
Die amtierende Präsidentin Delcy Rodríguez versicherte, dass ihre Regierung in diesen „kritischen Stunden für die Rettung“ eine umfassende Reaktion entfalte. Er kündigte die Militarisierung von La Guaira und die Ankunft humanitärer Hilfe an. Bis Freitag arbeiteten 861 internationale Freiwillige aus Mexiko, den USA, El Salvador, der Schweiz und Kolumbien im Land. Die UN berichteten, dass 25 Such- und Rettungsteams mit 1.000 Mann unterwegs seien.
Die Bewohner halten die Hilfe jedoch für unzureichend. In Catia La Mar kam es zu Plünderungen von Grundgütern und die Bevölkerung errichtete improvisierte Unterstände auf Parkplätzen.
Geschichten in den Trümmern
Yuleidy Cadenas, 28, sucht in einem eingestürzten Turm in La Guaira nach ihrem Sohn, ihrer Mutter und ihrem Bruder. Freitag war der 12. Geburtstag ihres Sohnes.
„Ich ging zu den Trümmern und sagte ihnen, sie sollten mich anschreien, und nein, niemand. Ich hoffe nur, dass sie sie rausholen“, sagte er unter Tränen.
Die staatliche Presse berichtete über Momente der Hoffnung: die Rettung eines jungen Mannes in Caracas und eines staubbedeckten Mädchens, das aus einem zehnstöckigen Gebäude kam. „Wir wollen die Stärke und den Lebenswillen dieses Mädchens hervorheben“, sagte José Luis Núñez, Leiter der Rettungsgruppe der Metropole.
Auswirkungen auf die Region
Die Internationale Organisation für Migration schätzt, dass bis zu 6,76 Millionen Menschen betroffen sein könnten, etwa 2 Millionen allein in Caracas. Loyce Pace vom Roten Kreuz sagte: „Die Menschen haben immer noch Angst davor, in ihre Häuser zurückzukehren.“
Das Epizentrum der Erdbeben lag in der Nähe von Morón an der Karibikküste, 170 Kilometer westlich von Caracas. Die Oberflächlichkeit der Bewegungen verstärkte die Zerstörung, erklärte der Geophysiker Marcos Ferreira vom Geological Survey of Brazil.