Verheerendes Doppelbeben
Am Mittwoch ereignete sich in Venezuela ein ungewöhnliches Doppelbeben mit einer Stärke von 7,2 und 7,5 im Abstand von nur 39 Sekunden. Nach Angaben des United States Geological Survey (USGS) ereigneten sich die Erdbeben entlang der San-Sebastián-Verwerfung an der Nordküste des Landes. Das erste Erdbeben ereignete sich in der Nähe von Morón, etwa 170 Kilometer westlich von Caracas, während das zweite, das heftigste, ein Epizentrum 16 Kilometer südwestlich dieser Stadt hatte.
Die Behörden meldeten mindestens 920 Todesfälle und mehr als 3.360 Verletzte, es besteht jedoch die Befürchtung, dass die Zahl noch steigen wird. Die am stärksten betroffene Region ist La Guaira nördlich von Caracas, wo Dutzende Gebäude einstürzten. Der zuständige Präsident Delcy Rodríguez erklärte das Gebiet zur Katastrophe und schickte Rettungsteams los. Tausende Familien übernachteten in Parks, auf Autobahnen und auf offenen Flächen. Der Hauptflughafen von Caracas wurde wegen Schäden geschlossen, der U-Bahn-Betrieb wurde eingestellt und die Gas- und Stromversorgung wurde in einigen Gebieten unterbrochen.
Internationale Hilfe
Die internationale Gemeinschaft reagierte schnell. Das Internationale Rote Kreuz startete einen Nothilfeaufruf über 50 Millionen Franken und schickte 17 Tonnen Hilfsgüter aus Panama. Die Vereinigten Staaten steuerten 150 Millionen Dollar, zwei städtische Such- und Rettungsteams, Spezialhunde und logistische Unterstützung bei. Die Europäische Union entsandte 520 Soldaten aus acht Ländern, aktivierte ihren Copernicus-Satellitendienst und stellte Geodaten zur Verfügung.
Das Vereinigte Königreich stellte 2 Millionen Pfund, ein Rettungsteam mit 68 Mitgliedern und Drohnen bereit. China versprach humanitäre Soforthilfe. Brasilien entsandte ein Flugzeug mit Feuerwehrleuten, Wasserreinigern und medizinischer Ausrüstung. Indien schickte zwei C-17-Flugzeuge mit einem Feldlazarett und 30 Tonnen Vorräten. Auch Italien und die Türkei mobilisierten Rettungspersonal und -ausrüstung.
Humanitäre Lage
Der Unterricht wurde ausgesetzt und Schulen wurden zu Notunterkünften. In La Guaira ließen sich Familien mit Laken und Plastiktüten auf Baseballfeldern nieder. Rodríguez kündigte einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 200 Millionen Dollar für Krankenhäuser und Wohnraum an. Die seismische Krise verschärft die komplexe politische Situation, in der sich die Regierung vor dem Hintergrund interner und externer Spannungen befindet.




