Ein kriegerisches Ritual mit einer Liebesrede
Präsidentin Claudia Sheinbaum hat an diesem Montag die Uniform des Oberbefehlshabers angezogen. Er tat dies in Alvarado, Veracruz, um den Flaggenschwur von 419 neuen Marinekadetten zu leiten.
Der Schauplatz könnte symbolischer nicht sein: die Heroic Naval Military School, zum 112. Jahrestag der Verteidigung des Hafens. Dort, zwischen Schüssen und Geräuschen der Stille, webte Sheinbaum eine Rede, die Militärisches mit fast Evangelikalem vermischte.
„Möge die tiefe Liebe zu Ihrem Land und Ihrem Nächsten das Licht sein, das Sie leitet“, sagte er den jungen Menschen. > „Lasst uns nie vergessen, dass die Liebe immer den Hass besiegt.“
Eine merkwürdige Botschaft für diejenigen, die sich auf den Krieg vorbereiten. Aber darin liegt der Schlüssel zu dieser Tat: die Umwandlung des traditionellen Kampfkonzepts in ein Konzept des „Diensts“. Die offizielle Rhetorik besteht darauf: Dem Land zu dienen bedeutet, anderen zu dienen.
Zwischen Sprotten und Statistiken
Von den 419 vereidigten Kadetten sind 179 Frauen und 240 Männer. Die akademisch Herausragendsten erhielten das Schwert, ein Symbol der „Gabe der Herrschaft“. Ein Ritual, das nicht nur Soldaten, sondern auch Anführer schmieden soll.
Der Sekretär der Marine, Admiral Raymundo Morales Ángeles, war direkter: > „Dienen ist kein Slogan, es ist eine Überzeugung.“
Sheinbaum las die Liste der gefallenen Helden in den Jahren 1847 und 1914. Eine obligatorische historische Anspielung auf diese Ereignisse. Erinnerung als institutioneller Kitt.
Für eine Kadettin wie Alison Velázquez Reyes war die Anwesenheit des Präsidenten „ein Ansporn und eine Inspiration“. Der Kreis schließt sich: Die Autorität legitimiert das Ritual, und das Ritual stärkt die Autorität.
Unterdessen bleibt außerhalb des Bereichs der Ehre die ewige Frage: Wie viel wiegen diese Worte angesichts der tatsächlichen Sicherheits- und Souveränitätsherausforderungen, vor denen das Land steht? Zumindest für heute hat die Zeremonie ihre Funktion erfüllt.




