Arbeitsfrieden hat eine Zahl: 99 %
Das Arbeitsministerium hat gerade eine Information veröffentlicht, die jeden zum Lächeln bringen dürfte, der einen Streik in seinem Unternehmen fürchtet. Seit 2020 wurden 99 % der Streikaufrufe gelöst, bevor sie ausbrachen. Nicht mit Zurufen, sondern mit am Tisch unterzeichneten Vereinbarungen.
„Die kollektive Schlichtung ist Teil des neuen Modells der Arbeitsgerechtigkeit, das den sozialen Dialog, authentische Verhandlungen und friedliche Lösungen fördert“, betont die Agentur.
Hinter den Kulissen: Wie die Deal-Maschine funktioniert
Protagonist ist die Bundesschlichtungsstelle. Sein Job klingt langweilig, aber die Ergebnisse sind reines Drama, das vermieden wird. Sie haben 11.259 Anfragen erhalten, zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu vermitteln. Davon waren 4.727 Ankündigungen über einen bevorstehenden Streik.
Der Zauber liegt in Folgendem: 96,8 % dieser Fälle wurden mit einer Vereinbarung abgeschlossen. Das sind 7.350 unterzeichnete Vereinbarungen, bei denen es vorher zu Streikposten und Verlusten für alle hätte kommen können.
Die Wirkung ist real und mit richtigen Namen. Dieser Mechanismus hat alle berührt, von IMSS und UNAM bis hin zu Giganten wie Pemex, Nissan, Audi und Televisa. Insgesamt haben mehr als 1,2 Millionen Arbeitnehmer direkt davon profitiert.
Am aussagekräftigsten ist, wer dieses Tool nutzt. Es sind nicht nur öffentliche Unternehmen. Die Liste umfasst Ford, General Motors, Pepsico und Unilever. Wenn sich beide Seiten des Tisches – Gewerkschaften und Unternehmen – zum institutionellen Dialog verpflichten, ändert sich etwas.
„Es spiegelt das Vertrauen der Akteure in der Arbeitswelt in diesen institutionellen Mechanismus wider“, heißt es in der offiziellen Stellungnahme.
Für einen Journalisten, der Dutzende von Konflikten eskalieren sah, ist dies eine stille Revolution. Es geht darum, die Konfrontation durch ein Gespräch zu ersetzen, durch eine digitale Plattform – die SiColectiva – als Zeuge.
Am Ende ist die Botschaft klar: Im mexikanischen Arbeitstheater besteht das Drehbuch nicht mehr nur aus Drohungen. Nun gibt es einen möglichen dritten Akt, bei dem alle aussteigen, ohne die Möbel kaputt machen zu müssen.




