La Paz, ohne Fleisch oder Hühnchen
Die Märkte von La Paz wachten mit leeren Regalen auf. Es gibt kein Rindfleisch, Hühnchen gibt es kaum und der Rest kostet doppelt so viel. Schuld daran sind die Blockaden und Märsche, die den Regierungssitz seit Tagen lahmlegen.
„Es gibt kein Fleisch und das Wenige, das es gibt, ist teuer, und von Hühnchen wollen wir gar nicht reden“, sagte Elena Quispe, 45, auf einem zentralen Markt gegenüber AP.
Die Regierung musste neun Flüge mit mehr als 90.000 Kilo Fleisch und Hühnchen improvisieren, um La Paz und El Alto zu versorgen. Doch während die Flugzeuge landen, stehen die Menschen weiterhin Schlange und zahlen schmerzhafte Preise.
Krise, die sich häuft
Die Proteste begannen mit Bauern, die ein Gesetz ablehnten, das die Verpfändung von Land erlaubte. Dann schloss sich die Central Obrera de Bolivia (COB) der Forderung nach Gehaltserhöhungen an. Und nun fordert die Combo den Rücktritt von Präsident Rodrigo Paz.
Die Polizei meldet landesweit 60 Sperrstellen, allein 47 in La Paz. Auch Transportunternehmen protestieren: Sie behaupten, minderwertiges Benzin schädige ihre Fahrzeuge.
Zwischen Versprechen und Spaltungen
Paz hat ein Gesetz erlassen, das die Grundhypothek, den Hauptanspruch, annulliert. Doch die öffentlichen Lehrer spalteten sich: Einige verhandelten über eine Gehaltserhöhung und hoben Blockaden auf; andere halten Mahnwache vor dem Regierungspalast.
Die Roten Ponchos, Aymara-Bauern, bleiben standhaft auf den Straßen. Am Mittwoch marschierten sie massenhaft in El Alto und forderten den Rücktritt des Präsidenten.
Der Geist von Evo Morales
Der Regierungsminister Marco Antonio Oviedo hielt nichts zurück: „Wir erkennen, dass es nicht die Ureinwohner waren … sie sind professionelle kriminelle Blockierer, die mit Evo Morales verbunden sind.“
Und erst am Dienstag starteten Anhänger des linken Ex-Präsidenten einen Marsch von Caracollo, 190 km von La Paz entfernt. Morales hat einen zweiten Haftbefehl wegen mutmaßlichen Missbrauchs einer Minderjährigen während seiner Regierungszeit.
Die menschlichen Kosten
Die Nacht hinterließ eine bittere Nachricht: Eine 54-jährige Frau, ursprünglich aus Belize, starb an der Grenze zu Peru, weil die Blockaden sie daran hinderten, medizinische Hilfe zu erhalten. Die Regierung bestätigte dies in einer Erklärung: „Aggressive Gruppen verhinderten die rechtzeitige medizinische Hilfe.“
Paz besteht auf Dialog. Doch der Produktions- und Tourismussektor vermelden bereits Verluste in Millionenhöhe. Die Krise gibt keine Ruhe.




